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"Meine Worte sind wie Sterne, sie gehen nicht unter" PDF Drucken E-Mail
Die Weisheit der Indianer 
chief_seattle
Seattle, Häupling der Duwamish-Indianer. 1865
 
Der Staat Washington  war die Heimat des Stammes  der Duwamish - Indianer, eines Volkes, das sich - wie alle Indianer- als einen Teil der Natur betrachtete, ihr Respekt und Ehrerbietung erwies und seit Generationen mit ihr in Harmonie lebte.
1855 teilte der amerikanische Präsident Franklin Pierce  mit, dass er deren Land zu kaufen gedenke. Der Häuptling Seattle antwortete dem "großen Häuptling der Weißen" auf dessen Angebot mit einer Rede, deren Weisheit, Kritik und bescheidene Hoffnung uns heute, mehr denn je betrifft und betroffen macht.

  Der Indianer meditiert in einer ebenso einfachen wie bildhaften Sprache über das unterschiedliche Lebens- und Naturverständnis der Roten und der Weißen. "Meine Worte sind wie Sterne, sie gehen nicht unter" sagte Chief Seattle. Sein Volk hat nicht überlebt, seine Worte wurden nie gehört.

Auszug aus der Rede des Häuptlings:
"Der große Häuptling in Washington sendet Nachricht, das er unser Land  zu kaufen wünscht. Der große Häuptling sendet uns auch Worte der Freundschaft und des guten Willens. Das ist freundlich von ihm, denn wir wissen, er bedarf unserer Freundschaft nicht. Aber wir werden seine Angebot bedenken, denn wir wissen - wenn wir nicht verkaufen, kommt vielleicht der weiße Mann mit Gewehren und nimmt sich unser Land.
Wie kann man den Himmel kaufen oder verkaufen - oder die Wärme der Erde? Diese Vorstellung ist uns fremd. Wenn wir die Frische der Luft und das Glitzern des Wassers nicht besitzen - wie könnt Ihr sie von uns kaufen ?  Wir sind ein Teil der Erde und sie ist ein Teil von uns. Die duftenden Blumen sind unsere Schwestern, die Rehe, das Pferd, der große Adler - sind unsere Brüder. Die felsigen Höhen - die saftigen Wiesen, die Körperwärme des Ponys - und des Menschen - sie alle gehören zur gleichen Familie (...)
Das Murmeln des Wassers ist die Stimme meiner Vorväter. Die Flüsse sind unsere Brüder - sie stillen unseren Durst. Die Flüsse tragen unsere Kanus und nähren unsere Kinder. Wenn wir Euch Land verkaufen, so müsst Ihr Euch daran erinnern und Eure Kinder lehren: Die Flüsse sind unsere Brüder - und Eure - und Ihr müsst  von nun an den Flüssen Eure Güte geben, so wie jedem anderen Bruder auch.
Der rote Mann zog sich immer zurück vor dem eindringenden weißen Mann – so wie die Frühnebel in den Bergen vor der Morgensonne weicht. Aber die Asche unserer Väter ist heilig, ihre Gräber sind geweihter  Boden, und so sind diese Hügel, diese Bäume, diese Teil der Erde uns geweiht. Wir wissen, dass der weiße Mann unsere Art nicht versteht. Ein Teil des Landes ist ihm gleich jedem anderen, denn er ist ein Fremder, der kommt in der Nacht und nimmt von der Erde, was immer er braucht. Die Erde ist sein Bruder nicht, sondern Feind, und wenn er sie erobert hat, schreitet er weiter. Er lässt die Gräber seiner Väter zurück – und kümmert sich nicht. Er stiehlt die Erde von seinen Kindern  – und  kümmert sich nicht. Er behandelt seine Mutter, die Erde, und seinen Bruder, den Himmel, wie Dinge zum Kaufen und Plündern, zum verkaufen wie Schafe oder glänzende Perlen. Sein Hunger wird die Erde verschlingen und nichts zurücklassen als eine Wüste: Ich weiß nicht -  unsere Art  ist anders als die Eure. Der Anblick Eurer Städte schmerzt die Augen des roten Mannes. Vielleicht, weil der rote Mann ein Wilder ist und nicht versteht? Es gibt keine Stille in den Städten der Weißen. Das Geklappere scheint unsere Ohren nur zu beleidigen. Was gibt es schon im Leben , wenn man nicht den einsamen Schrei des Ziegenmelkervogels hören kann. Oder das Gestreite der Frösche am Teich bei Nacht. Ich bin ein roter Mann und ich verstehe das nicht. Der Indianer mag das sanfte Geräusch des Windes, der über eine Teilfläche streicht – und den Geruch des Windes, gereinigt vom Mittagsregen oder schwer vom Duft der Kiefern. Die Luft ist kostbar für den roten Mann – denn alle Dinge teilen denselben Atem – das Tier, der Baum , der Mensch – sie alle teilen denselben Atem. Der weiße Mann scheint die Luft, die er atmet, nicht zu bemerken, wie ein Mann, die seit vielen Tagen stirbt, ist er abgestumpft gegen den Gestank. Aber wenn wir Euch unser Land verkaufen, dürft Ihr nicht vergessen, dass die Luft uns kostbar ist. Der Wind gab unseren Vätern den ersten  Atem und empfängt den letzten. Und wenn wir Euch unser Land verkaufen, so müsst Ihr es als ein besonderes und geweihtes schätzen, als einen Ort , wo auch der weiße Mann spürt, dass der Wind süß duftet von den Wiesenblumen (…) Lehrt Eure Kinder, was wir unsere Kinder lehrten : Die Erde ist Eure Mutter. Wenn Menschen auf die Erde spucken, bespeien sie sich selbst. Den das wissen wir – die Erde gehört nicht den Menschen – der Mensch gehört der Erde. Der Mensch schuf nicht das Gewebe des Lebens, er ist darin nur eine Faser. Was immer Ihr dem Gewebe antut, das tut dir Euch selber an. Nein, Tag und Nacht können nicht zusammenleben (…)
Das Ansinnen des weißen Mannes, unser Land zu kaufen, werden wir bedenken. Aber mein Volk fragt, was denn will der weißen Mann kaufen ? Wie kann man den Himmel oder die Wärme der Erde kaufen oder die Schnelligkeit der Antilope ? Wie können wir Euch diese Dinge verkaufen – und wie könnt Ihr sie kaufen ? Könnt Ihr denn mit der Erde tun, was Ihr wollt – nur weil der rote Mann ein Stück Papier unterzeichnet – und es dem weißen Manne gibt ? Wenn wir nicht die Frische der Luft und das Glitzern des Wassers besitzen – wie könnt Ihr sie von uns kaufen? Könnt Ihr die Büffel zurück kaufen, wenn der letzte getötet ist ?
Auch die Weißen werden vergessen, eher vielleicht als alle anderen Stämme. Fahret fort, Euer Bett zu verseuchen und eines Nachts werdet Ihr hell strahlen, angefeuert von der Stärke des Gottes, der Euch in dieser Land brachte und Euch bestimmte, über dieses Land und den roten Mann zu herrschen. Diese Bestimmung ist uns ein Rätsel.
Wenn die Büffel alle geschlachtet sind – die wilden Pferde gezähmt – die heimlichen Winkel des Waldes schwer vom Geruch vieler Menschen und der Anblick reifer Hügel, geschändet von redenden Drähten – wie ist das Dickicht – fort, wo der Adler – fort, und was bedeutet es, Lebewohl zu sagen dem schnellen Pony und der Jagd: Das Ende der Lebens und der Beginn des Überlebens (…) Doch eines wissen wir: unser Gott ist derselbe Gott. Diese Erde ist ihm heilig. Selbst der weiße Mann kann der gemeinsamen Bestimmung nicht entgehen. Vielleicht sind wir doch Brüder . Wir werden sehen.

Die Rede vom Häuptling von Seattle

 

 
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